Low-Tech

"weniger Technik durch mehr Architektur"

Das Thema „Low-Tech“ verdient große Beachtung, da es das Erreichen von Nachhaltigkeit mit dem ursprünglichsten Grundgedanken überhaupt fokussiert: „Back to the roots“, um mit hohem handwerklichen Wissen und Können und oftmals neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen das Image einer rückständigen und anspruchslosen Architektur hinter sich zu lassen und mit ihr auch den großen Anteil an Haustechnik, der heutzutage vielen modernen Bauvorhaben inne ist.

Auch ohne - oder mit bis auf ein Minimum reduzierter Technik - lassen sich Gebäude schaffen, die ihren „Hightech-Kollegen“ weder in Energieaspekten, noch bezüglich der Behaglichkeit oder Investitionskosten nachstehen. Die stückweise Ersetzung unserer natürlichen Umwelt durch eine technische muss zugunsten sinnvoller Zusammenhänge für den Nutzer abgewendet werden. Integrale Planung, traditionelles Wissen und historische Technologien spielen hier eine wichtige Rolle und werden im folgenden thematisiert.

Historie

Historie

Übersicht

Der Begriff „Nachhaltigkeit“ ist heute in aller Munde, eingerahmt durch Äußerungen zur Ökologie, Ökonomie, „ökologischem Fußabdruck“, allgemeiner Umweltverträglichkeit und finanziellen Aspekten. Nicht selten ist dabei jedoch gar nicht so klar definiert, von was genau die Rede ist, da sich „Nachhaltigkeit“ in den letzten Jahren immer mehr zu einem „Universalbegriff“ entwickelt hat.

Von der Energiewende bis hin zur „Schöpfungsverantwortung“ werden Worte bemüht, die doch alle eins fordern: Einen verantwortungsvollen Umgang mit den uns zur Verfügung stehenden Ressourcen sowie integrale Planungsansätze, die praktische Ausbildung dieser Verantwortung sind.

Doch wie hat sich dieses Bewusstsein entwickelt? Wie dachte man noch im 18. Jahrhundert und wann und warum kam es schließlich zu einem Umdenken? Das Verständis für diese Entwicklungen sind grundlegend für das Verständnis der aktuellen Debatten und die Möglichkeit durch eigenes Handeln zum Erreichen heutiger Ziele in Architektur und Design beizutragen.

18. Jahrhundert

18. Jahrhundert

Das kartesische Weltbild

Im 18. Jahrhundert wurde Nachhaltigkeit erstmals als Grundsatz in der deutschen Forstwirtschaft formuliert. Hier forderte der sächsische Oberberghauptmann Hans Carl von Carlowitz in seinem 1713 veröffentlichten Werk „Haußwirtschaftliche Nachricht und Naturgemäße Anweisung zur Wilden Baum-Zucht“ eine Holzwirtschaft, bei der nur so viel Holz geschlagen wird, wie durch Wiederaufforstung nachwachsen kann. Während bis dato das teleologische Weltbild des Aristoteles vorgeherrscht hatte, bei dem jedes Ereignis von seinem Zweck und Ziel her bestimmt und gemäß der Hand Gottes erfolgte, wurde dieses Weltbild nun durch das kartesische, kausalistisch geprägte, Weltbild René Decartes abgelöst. Vernunft und Rationalismus definierten den Menschen als „Herrscher über die Natur und die Tiere“. Weiter herrschte ein Fortschrittsgedanke der ständigen Entwicklung neuer Technik mit immer größerem Nutzen für die Lebensqualität der Menschen.
 

19. Jahrhundert

19. Jahrhundert

Übersicht

Im 19. Jahrhundert zeigt sich, dass „Nachhaltigkeit“ zunehmend als „Lebensprinzip“ verstanden und nicht mehr auf den bloßen Umgang mit der Natur beschränkt bleibt. Als ethischer Ansatz werden Maßnahmen in den Gesamtzusammenhang von Gesellschaft, Wirtschaft und Natur gestellt und damit große Partizipation und Transparenz generiert. Der „mündige“ Mensch denkt und handelt interdisziplinär, wobei der Horizont nicht mehr nur auf die eigene Generation beschränkt bleibt, sondern auch die Zukunftsverantwortung eine große Rolle spielt.

Romantische Weltanschauung


Romantische Weltanschauung

Der Philosoph Henry David Thoreau, der mit seinen lyrischen Hymnen an die Natur selbst großen Einfluss auf Präsident Theodore Roosevelt hatte, wird oft als Ursprung der ökologischen Bewegung gehandelt. Roosevelt mahnte vor dem Kongress zu weniger Verschwendung der erschöpflichen natürlichen Ressourcen, um den nachfolgenden Generationen kein „karges Lebens“ zu bieten.

Thoreau entwickelte reformerisches Potential als er am 4. Juli 1845, dem Unabhängigkeitstag, eine selbsterbaute Blockhütte bei Concord am Walden-See bezog. Hier lebte er etwa zwei Jahre allein und selbständig und beschrieb in seinem Werk „Walden. Or life in the Woods“ sein einfaches Leben am See und dessen Natur, aber integrierte auch Themen wie Wirtschaft und Gesellschaft.

Rudolph Steiner, verbreitete zur etwa gleichen Zeit eine anthroposophische Philosophie auf den Spuren Goethes, die Mensch und Natur wieder in Einklang bringen sollte und hatte Auswirkungen auf Pädagogik, Medizin, Landwirtschaft und Architektur.

Art Nouveau und Arts and Crafts


Landflucht, Auswanderung in städtische Slums, Verarmung, Hunger und Kinderarbeit als Folge der Industrialisierung führten zu sozialpolitischer Kritik, aus der 1860 William Morris, englischer Künstler und Schriftsteller, die erste Bewegung gegen die Industrialisierung des Bauens und Wohnens ableitete und stattdessen handwerkliche Arbeit förderte: „Arts and Crafts“. Hauptanliegen dabei war die Wiedervereinigung von Kunst und Kunsthandwerk, wobei auf die als „seelenlos“ empfundenen Produkte der aufblühenden Industrie reagiert wurde. Maschinen und Technik wurden als Gegner betrachtet, die die Vollwertigkeit des  ursprünglichen Kunsthandwerkes untergruben und als solche negiert wurden. So galten Grobheit und Rustikalität denn auch als Merkmal der Stücke, die von Einfachheit und Ehrlichkeit geprägt waren. In Frankreich entwickelte sich Ende des 19. Jhd. „Art Nouveau“ als neuer Stil, der sich auch international verbreitete, in Deutschland beispielsweise als Jugendstil mit asymmetrischen, dekorativ geschwungenen Linien und von der Natur inspirierten Ornamenten, und als Kritik an billigen Massenprodukten der Industrie zu verstehen ist. Mit Adolf Loos’ Schrift „Ornament und Verbrechen“ kam es zu einer Wende, im Zuge derer Walter Gropius 1919 das Bauhaus gründete. Funktionalität und Abwesenheit von Ornamenten wurde als Zeichen hoher Kulturentwicklung betrachtet, Verzierungen oder andere Gestaltungsversuche an einem Gebrauchsgegenstand als unangemessene und überflüssig.

20. Jahrhundert

20. Jahrhundert

Übersicht

1920er Jahre, Bauhaus


Romantische Weltanschauung

1919 von Walter Gropius in Weimar als Kunstschule gegründet, stand das Staatliche Bauhaus für eine Zusammenführung von bildender, angewandter und darstellender Kunst mit dem Handwerk im Rahmen von Funktionalität und Modernität. So ist „Bauhaus“ denn auch eine Namenswahl in Anlehnung an die Bauhütten der mittelalterlichen Kathedralen, in denen Kunst und Handwerk schon früher verschmolzen.

Bis 1933 bestand das Bauhaus, das 1926 nach Dessau und 1932 nach Berlin umzog. Wesentliches Anliegen war das Lösen der Kunst von der Industrialisierung und die Wiederbelebung des Kunsthandwerks.

Eine neue Formensprache entstand, die den industriellen Fertigungsprozessen gerecht wurde und sich nicht länger durch serielle Fertigung kunsthandwerklich entwickelter Ornamentik ausdrückte. Modulares Bauen spielte nun eine wichtige Rolle, um u.a. günstigen Wohnraum auch in Großstädten umsetzen zu können, wie die Weißenhofsiedlung in Stuttgart oder der Karlsruher Dammerstock.

Durch die Symbiose der Künste sollten zudem die gesellschaftlichen Unterschiede bis hin zu Unterschieden ganzer Nationen negiert und zum gegenseitign Verständis beigetragen werden. Viele Bauten galten jedoch als zu „kalt“ und „maschinell“ und wurden gerade in konservativen Kreisen wenig gewürdigt.

1940er Jahre, Organische Architektur


Romantische Weltanschauung

In den 40-er Jahren des 20. Jahrhunderts trat mit Frank Lloyd Wright ein sehr bedeutender Vertreter nachhaltiger Architektur auf den Plan, der sehr genau verstand, dass Nachhaltigkeit immer auch mit der Korrelation von Natur, Topographie, Architektur sowie seinen Bewohnern einhergeht. Von Amerika über Ägypten bis hin zu Skandinavien begann man lokale Traditionen mit modernen Elementen zu kombinieren, wodurch man die örtlichen Besonderheiten würdigte und erhielt sowie kostengünstiges mit ökologischem Bauen verband.

Für Frank Lloyd Wright bestand ein Gebäude aus der Verbindung zwischen dem Geist des Ortes und den Bewohnern. Er betrachtete Häuser wie lebendige Organismen und begründete damit die organische Architektur, überzeugend umgesetzt u.a. durch „Taliesin“ in Wisconsin oder „Falling Waters“ in Pennsylvania. Einige Prinzipien begründen dabei seine Architektursprache, beginnend bei „Einfachheit und Ruhe“ (Simplicity and repose), wonach alles eliminiert werden sollte, was nicht notwendig ist (u.a. auch Innenwände). Daneben spielt die Korrelation von Natur, Topographie und Architektur eine wesentliche Rolle, wobei ein Gebäude als harmonisch aus der Umgebung herausgewachsen erscheinen sollte statt diese zu dominieren. Auch Materialien und Farben sollten der umgebenden Natur angepasst sein und ihr natürliches Erscheinungsbild behalten, Designmotive wurden aus der Natur abgeleitet. Gebäude sollten „liebenswürdig“ sein und den Menschen Freude bereiten.

1940er Jahre, Kontextbezogene Architektur


Romantische Weltanschauung

Der ägyptische Architekt Hassan Fathy setzte unter Verwendung lokaler Materialien sowie Weiterentwicklung örtlicher Traditionen und handwerklicher Qualität 150 Projekte für die arme Bevölkerung in Iran, Pakistan und Ägypten um und griff dabei auf eine wiederentdeckte Gewölbetechnik aus Nubien zurück. Nubische Gewölbe werden in Lehmbauweise ohne Schalung und häufig ohne Lehren ausgeführt. Die Deckengeometrie ist der Spezialfall eines Tonnengewölbes, bei dem der Querschnitt die ungefähre geometrische Form einer Kettenlinie annimmt. In der Nachfolge von Fathy greifen zahlreiche Wohnprojekte in holzarmen und trockenen Ländern auf die traditionellen Dachformen der nubischen Lehmziegelgewölbe zurück. Nubische Gewölbe (und andere Gewölbebauweisen) verbinden kostengünstiges und ökologisches Bauen mit einer leicht zu erlernenden Arbeitstechnik.

1940er Jahre, Skandinavische Naturnähe


Romantische Weltanschauung

Das Christentum war erst spät, im 12. Jhd., nach Skandinavien gekommen, sodass die Menschen noch einen deutlich spürbareren Bezug zur Natur haben, der sich in vielen organischen Ansätzen wie bei Erskine, Fehn oder Pietilä zeigte. Auch Alvar Aalto ist hier einzuordnen, der trotz seiner Nähe zur Moderne stets vor der Standardisierung von Architektur warnte, die die Humanität gefährden würde. Seine 1939 gebaute Villa Mairea wird oft als erstes ökologisches Haus Europas gesehen, in der Archetypen der Moderne mit traditionellen Elementen vermischt wurden. Das zweigeschossige, L-förmige Gebäude rahmt einen Innenhof mit Pool, der einen Bezug zur finnischen Seenlandschaft schafft. Christian Norberg-Schulz schuf den architekturkritischen Unterbau dieser Epoche, bei dem es vorrangig um die Analyse der Besonderheiten eines Ortes und die Psychologie von dessen Bewohnern geht.

1950er Jahre, Autochthone Architektur


Romantische Weltanschauung

Um 1950 versuchte Balkrishna Doshi moderne Konzepte für den Kontext in Indien zu adaptieren und im Einklang mit der orientalischen Philosophie Ansätze für Architektur und Städtebau zu entwickeln. Ideen einer zeitgemäßen Architektur, die er vor allem durch seine Arbeit mit Le Corbusier gewonnen hatte, versuchte er durch Verbindung von Beton mit Ziegeln den indischen Traditionen und dem Klima anzupassen und dabei traditionelle Bauformen aufzunehmen. Alte gujaratische Bauformen oder die strukturjinistischer Bauten wurden so modern interpretiert. Ende der 50er Jahre beginnt Doshi, preiswerten Wohnraum für wirtschaftlich schwache Bevölkerungsgruppen zu schaffen, zum Beispiel in den Wohnsiedlungen für Arbeiter der Textile Industry‘s Research Association. Ein wiederkehrendes Motiv sind die bereits in den frühesten buddhistischen Kultbauten Indiens verwendeten Tonnendächer; mit einfachen geometrischen Formen verbunden.

1950er Jahre, Konkretisierte Utopie


Romantische Weltanschauung

Mit Paolo Soleri beschäftigten sich ab den 50-er Jahren immer mehr Architekten in den USA mit ökologischen Bauten. Soleri entwickelte den Gedanken des „Arcology“ („architecture“ und „ecology“) und baute auf dieser Grundlage die Experimentalstadt „Arcosanti“ in der Wüste von Arizona, die wie ein menschliches Ökosystem funktioniert. Das Konzept zielt auf Kompaktheit der Häuser ab und soll so nur wenig Baugrund beanspruchen. Soleri entwickelte Wrights Theorien vom Bauen und Leben in der Natur weiter. Bis 2012 konnte jedoch erst 1% der Planung umgesetzt werden, wobei vor allem die Utopie eines gemeinschaftlichen unentfremdeten Lebens im Vordergrund stand. Die Anlage besteht aus etwas über einem Dutzend Baukörper, für die als Belüftungs- und Heizungskonzept Gewächshäuser unterhalb der Anlage geplant sind, die jedoch bis heute nicht fertiggestellt wurden. Soleri starb 1913. Heute leben dennoch etwa 6000 Menschen in Arcosanti, die ihre Nahrung selbst produzieren.

1950er Jahre, Nachhaltigkeit nach dem Zweiten Weltkrieg


Romantische Weltanschauung

Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden vor allem mit der „International Union for Conservation of Nature“ von 1948 Institutionen gegründet, die das nachhaltige Denken, wie wir es heute kennen, fundamentierten. Die „International Union for Conservation of Nature“ veröffentlichte so 1951 den ersten Bericht über den Zustand der Umwelt auf der Erde, mit dem Ziel Ökonomie und Ökologie zu versöhnen. 1971 sprach der rumänisch-amerikanische Mathematiker und Ökonom Nicholas Georgescu-Roegen zum ersten Mal über die Idee einer Wachstumsrücknahme, was nach 20 Jahren durch den Ökonomen Serge Latouche energisch vertreten wurde. Eine Rücknahme des Konsum- und Produktionswachstums wurde als notwendige Reaktion auf das Wirtschaftswachstum betrachtet, das als sozial, ökologisch, ökonomisch und politisch schädlich angesehen wurde. Maßnahmen gegen ein Umwelt und Ressourcen überbelastendes Wachstum sollten so ergriffen werden.

1970er Jahre, Mensch und Maschine


Romantische Weltanschauung

Ivan Illich, Philosoph und Theologe, versuchte 1973 die Entwicklungsländer vor den „eigenen“ Fehlern zu warnen, indem er sagte: „Zwei Drittel der Menschen haben noch die Chance, den Durchgang durch das industrielle Zeitalter zu vermeiden, wenn sie sich heute für eine auf ein postindustrielles Gleichgewicht ausgelegte Produktionsweise entscheiden.“ Weiter sagt er „Wenn das übermäßige Vertrauen auf industrielle Produktion und Dienstleistung die Sozialordnung so bestimmt, dass die Industrie ein virtuelles Monopol über die Anwendung neuer Errungenschaften erobert, dann wird die Versklavung des Menschen durch die Maschine nicht abgeschafft, sondern in neue, weltweit homogene Formen gepresst.“ Dabei prägte Illich den Begriff der Konvivialität (conviviality), wobei es ihm um einen lebensgerechten Einsatz des technischen Fortschritts und entsprechende Selbstbegrenzung ging.

1970er Jahre, Das Prinzip Verantwortung


Romantische Weltanschauung

1979 blickt Hans Jonas, deutsch-amerikanischer Philosoph, besorgt auf die willkürliche Macht, die die Technikwissenschaft dem Menschen verleiht und aus der durch menschliches Handeln die Störung eines jahrtausendealten Gleichgewichts entstehe. Sein ethisches Hauptwerk widmet sich denn auch einer „Ethik für die technologische Zivilisation“. Besonders betont er dabei auch die Wichtigkeit der Anerkennung der Eigenrechte der ganzen Natur, für die dem Menschen aufgrund seiner Handlungsmöglichkeiten die Verantwortung zukommt. Daraus formulierte er, in Anlehnung an den kategorischen Imperativ Kants, den „ökologischen Imperativ – Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlungen verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf Erden.“ Als erstem Menschen gelingt es Jonas auf diese Weise eine philosophische Antwort auf die drohenden und früh erkannten Gefahren der modernen Technikentwicklung zu formulieren, begründet auf der Erkenntnis, dass die Industriestaaten in eine tiefgreifende, das Überleben der Menschheit insgesamt bedrohende, Krise geraten sind. Alle bisherige Ethik betrachtete er als unzureichend, um die neue Herausforderung des „veränderten Wesens menschlichen Handelns“ zu bewältigen, da sie sich nicht auf die Beziehungen der Menschen und ihre Verantwortung gegenüber Angehörigen der kommenden Generationen bezögen.

1970er Jahre, Verbreitung ökologischen Denkens


Romantische Weltanschauung

1968 wurde durch den „Club of Rome“ eine Vereinigung gegründet, die sich über eine globale „Umwelt-Governance“ beriet und mit ihrem ersten Bericht, in dem sie die „Grenzen des Wachstums“ aufzeigten, 1972 eine kleine Revolution auslösten. Als nicht profitorientierte, nichtstaatliche Organisation bringt der Club Wissenschaftler, Ökonomen, Mitarbeiter aus dem öffentlichen Dienst sowie Regierungsmitglieder aus aller Welt zusammen. Zentrale Schlussfolgerung des Berichtes war die Zunahme der Weltbevölkerung, der Industrialisierung, der Umweltverschmutzung, der Nahrungsmittelproduktion und der Ausbeutung natürlicher Rohstoffe, die die absoluten Wachstumsgrenzen im Laufe der nächsten hundert Jahre erreichen würden. Viele Forscher machten auf die Ausbeutung der natürlichen Ressourcen sowie Wasserverschwendung und Umweltverschmutzung aufmerksam und riefen zum „Null-Wachstum“ auf, um die Vorgänge zu stoppen. Allerdings wurde der Bericht des „Club of Rome“ schnell als Katastrophenszenario verschrien.

1970er Jahre, Drei Weltgipfel


Romantische Weltanschauung

1972 fand die erste „UNO-Conference on the Human Environment“ in Stockholm statt, dessen Bericht den bekannten Satz „Global denken, lokal handeln“ beinhaltet. Zwanzig Jahre später in Rio de Janeiro fand die wichtigste Konferenz der Vereinten Nationen über Umwelt und Entwicklung statt und stellte einen gesellschaftlichen Wendepunkt dar, da nicht nur Experten berieten, sondern 17.000 Konferenzteilnehmer aus 178 Staaten das Thema Nachhaltigkeit diskutierten. Beim dritten Gipfel in Johannesburg fügte der französische Präsident Jaques Chirac die Kultur als viertes Element zu den drei von Brundtland in Rio definierten Stützen Ökonomie, Ökologie und Soziales hinzu.

1970er Jahre, Ölkrise und natürliche Materilaien


Romantische Weltanschauung

Spätestens nach den zwei Ölkrisen von 1973 und 1979 wurde den Menschen klar, dass Energie knapp und teuer ist. Als Folge entstanden vielfältige Überlegungen zum solaren Bauen, bioklimatischen Häusern und der Verwendung von Holz und Lehm als natürliche Materialien. Gerade das 1979 in Grenoble gegründete Laboratoire CRATerre verhalf Lehm zu einer neuen Prominenz und wurde zum UNESCO-Lehrstuhl für Lehmarchitektur. Weltweit bietet CRATerre, als Zentrum für die Erforschung und Anwendung des Baustoffs Lehm in der Architektur, mittlerweile die einzige universitäre Ausbildung zum Master of Earthen Architecture an. Auch durch experimentelle Sozialwohnbausiedlungen leisteten französische Architekten Pionierleistungen, die jedoch durch die Entscheidung Frankreichs für Kernenergie als Hauptstromquelle negiert wurden.

1970er Jahre, Deutschland forscht weiter


Romantische Weltanschauung

Thomas Herzog, Peter Hübner, Joachim Epple sowie Günther und Stefan Behnisch gelten als deutsche Pioniere des ökologischen Bauens. Gerade Herzogs Philosophie der sozialen Verantwortung bei gleichzeitigem aktiven Mitwirken an wissenschaftlichem und technologischem Fortschritt gilt als vorbildlich. Hübner sieht Bauen als sozialen Prozess, eindrücklich gezeigt anhand seiner Jugendhäuser mit Nutzerbeteiligung aus Holz und Backstein im Stuttgarter Raum. Behnisch und Partner entwickelten seit 1952 zeitgenössische Architektur, „die immer frei von Moden, Strömungen und Vorurteilen blieb“. Alle Werke sind von innen nach außen entworfen und bringen dem Nutzer viel Verständnis entgegen. Grundlegende Prinzipien sind für Behnisch dabei Respekt gegenüber der Natur und die Anpassung an die individuellen Bedürfnisse der Nutzer. Ab den 90-ern ergänzte Stefan Behnisch die Grundlage seines Vaters mit ökologischen Maßnahmen bezüglich energetischer Strategien und Materialwahl.

1990er Jahre, Die Stars des Hightech


Romantische Weltanschauung

Damals wie heute galten die Großen Stahl- und Glaspaläste internationaler Stars als Symbole des Hightechs. Umso bezeichnender, dass sich 1993 gerade diese Architekten, darunter Norman Foster, Renzo Piano und auch Thomas Herzog zur „READ-Gruppe“ („Renewable Energies in Architecture and Design“) zusammenschlossen, um sich für den zunehmenden Einsatz erneuerbarer Energien in Architektur und Design einzusetzen. Das Kerngebiet der SolarCity Linz beispielsweise wurde von den Architekten der READ-Gruppe geplant, die sich um einen hohen architektonischen Anspruch bei Niedrigenergiebauweise bemühten. Nachdem innerstädtisch kaum mehr Raum für den Wohnungsbau zur Verfügung stand, der Zuzugwille aber weiter ungebremst schien, musste man planerisch auf das umgebende Umland ausweichen und legte eine rein ökologische Stadterweiterung für bis zu 20.000 Einwohnern samt eigenem Schulzentrum an. Die EU-Förderung unterstützte das Vorhaben durch den APAS Fonds für erneuerbare Energien und unterstrich damit auch den Modellcharakter einer solchen nachhaltigen Stadtentwicklung. Es entwickelte sich das „Öko-Tech“ heraus, dass sich mit der verwendeten Technologie und Informatik gern ökologisch gab, jedoch gerade bezüglich des sommerlichen Wärmeschutzes und Energieeinsparungen im Winter häufig kritisiert wurde.

1990er Jahre, Ökologie vs. Ökonomie


Romantische Weltanschauung

1995 erschien das Buch „Faktor vier“, das die Umweltaktivisten Amory B Lovins und seine Frau L. Hunter Lovins zusammen mit dem deutschen Wissenschaftler und Politiker Ernst-Ulrich von Weizsäcker verfasst hatten. “Faktor vier“ stand für die Vervierfachung der Ressourcenproduktivität, den „doppelten Wohlstand mit halbiertem Naturverbrauch“. Dieser zweite Bericht des „Club of Rome“ bot 50 Lösungsvorschläge in allen Sektoren, darunter das Passivhaus-Konzept von Wolfgang Feist. Der Begriff „ökologischer Fußabdruck“ im Buch der Ökonomen Mathias Wackernagel und William Rees besagt zudem, dass 1,8 „global Hektar“ (gha) pro Mensch auf der gesamten Erde zur Verfügung stünden, im Bericht „Living Planet Report“ des WWF von 2008 lag der Wert für die USA allerdings bei 9,5 gha, für die EU bei 4,8, für Asien bei 1,3 und für Afrika bei 1,1. Global bedeutet das pro Jahr etwa 50% mehr Verbrauch an erneuerbaren Ressourcen als der Planet nachhaltig zur Verfügung stellen kann.

1990er Jahre, "Wachstumslose Lokalität"


Romantische Weltanschauung

Serge Latouche tritt bereits seit 30 Jahren für den Begriff „décroissance“ von Georgescu-Roegen und damit für einen Ausstieg aus dem Wachstum ein. Weniger arbeiten, um besser zu leben und sein Glück nicht in Gütern, sondern im Zusammenleben zu finden, propagiert der französische Ökonom und Philosoph. Weniger und dafür besser konsumieren, mehr recyceln, um weniger Abfall zu produzieren. Lokales Wirtschaften ist das Stichwort, das er den südlichen Ländern ans Herz legt, um ihre Identität zurückzugewinnen. Die Zukunft werde bestimmt durch die Verbindung aus verlorener Tradition und Innovation. Konkret schlägt Latouche dabei einen Mix aus Schrumpfung, Regionalisierung und der Internalisierung von Kosten vor: So will er den ökologischen Fußabdruck verkleinern, indem die materielle Produktion auf das Niveau der 1960er Jahre zurückgeführt, der Energieverbrauch auf ein Viertel reduziert und die bäuerliche Landwirtschaft wiederbelebt wird. Werbeausgaben dagegen sollen stark belastet werden.

21. Jahrhundert

21. Jahrhundert

Übersicht

Bewusste Einfachheit


Romantische Weltanschauung

Der Iraner Majid Rahnema vertritt die Ansicht, dass ein radikaler Wandel nur durch eine „innere Revolution“ erfolgen kann, bei der es um eine Re-Entdeckung der Traditionen der Einfachheiten sowie des Zusammenlebens gehe. In seinem Werk beschäftigt sich der Diplomat und frühere Minister des Irans vor allem mit den Problemen von Armut und deren Entstehungsprozesse durch die Marktwirtschaft. Zur Zeit beginnen genau solche Entwicklungen hin zu zunehmender Einfachheit beispielsweise in Frankreich durch die „simplicité volontaire“ oder die „sobriété choisie“. In Freiburg und Tübingen bestehen in ähnlicher Gesinnung Baugruppen für ein Zusammenbauen und Zusammenleben, bei denen auch der sozialen Dimension von Nachhaltigkeit eine große Bedeutung zugemessen wird.

Ökologischer Minimalismus


Romantische Weltanschauung

Die neue Generation von Architekten und Ingenieuren in Deutschland geht weit weniger militant vor als ihre Vorgänger aus den 70-ern, dafür aber wesentlich pragmatischer und damit effizienter. Ohne die Energieeinsparungs- und Umweltfaktoren dabei explizit herauszustellen, integrieren sie diese wie selbstverständlich als Projektkomponenten in ihre Gebäude und schaffen so minimalistische Architektur, die gänzlich der Moderne zuzuschreiben ist. Bekannte Prinzipien und Techniken, der Mix aus rohen und edlen Materialien sowie die zunehmende Fertigungsweise in Fertigteilbauweise sind dabei vorherrschend. Gerade in der Gegend um den Bodensee sind Werke von D’Inka Scheible, Kauffmann Theilig, Mahler Günster Fuchs, Glück & Partner oder Schaudt Architekten und nicht zuletzt von Baumschlager Eberle verwirklicht, die ein beeindruckendes Innovationspotential an ökologischen Ansätzen zeigen. Beim Kinderhaus Remshalden von D‘Inka Scheible beispielsweise wurden vor allem natürliche Materialien, z.B. Holz, Holzwerkstoffe und natürliche Mineralien verwendet. Durch eine 3-fach-Verglasung und die kontrollierte Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung konnten Heizflächen reduziert und somit eine erhebliche Energieeinsparung erreicht werden. Das extensiv begrünte Dach trägt zudem zu einem reduzierten Regenwasserabfluss bei.

Meinungen

Meinungen

Übersicht

Von einer klaren Verurteilung aller Haustechnik über Einschränkungen in ihrem Gebrauch je nach Notwendigkeit und Alternativen bis hin zu ernstem Zweifel an der Umsetzbarkeit von Low-Tech-Lösungen in der Architektur durch das Verbraucher- und Endkundenverhalten sind die Meinungen und Einschätzungen der im folgenden zu Wort kommenden Experten gestreut. Durch ihre Aussagen wird Low-Tech sowie generell das Thema Nachhaltigkeit in den großen Zusammenhang gestellt, erläutert aus den Blickwinkeln von Architekten, Ingenieuren und Haustechnikern. Nicht in allen Punkten besteht Einigkeit, deutlich aber zeigt sich bei allen der aktuelle Handlungsbedarf, der stets unterschiedlich interpretiert wird. So wird grundsätzlich eine niedrigerer Energiebedarf der Menschen gefordert, „ehrliche Architektur“ einer durch Technik kaschierten vorgezogen oder das kybernetische Prinzip für eine integrale Planung postuliert.

Brian Cody (Vorstand des IGE an der TU Graz)


Romantische Weltanschauung

„Nach meiner Auffassung ist energieeffiziente Architektur als Triade aus minimiertem Energieverbrauch, optimalem Raumklima und hervorragender architektonischer Qualität zu begreifen.“

Brian Cody trifft die Aussage, dass das heutige Ziel „konstanter raumklimatischer, akustischer, luft- und lichttechnischer Konditionen in einem Gebäude“ auf zweierlei Weise erreicht werden könne: indem die natürlichen Kräfte und Konditionen so weit wie möglich herausgehalten und innere Konditionen mittels energieeffizienter Gebäudetechniksysteme erzeugt und aufrecht erhalten würden oder „indem man durch die Form und Konfiguration des Gebäudes, seiner Konstruktion und Haut die natürlichen Konditionen und Kräfte nutzt.“. Gebäude seien nicht zu schützen vor den natürlichen Kräften wie Sonne, Wasser oder Wind, vielmehr gelte es diese Kräfte aufzufangen und geschickt als Energiequelle für das Gebäude zu nutzen. Bis 2050 könne sich der globale Energieverbrauch auf das 4- bis 5-fache steigern, häufig sei als Gegenstrategie derzeit die Dämmung von Gebäuden in Gebrauch. Dabei würden zusätzliche Kosten und Aufwand nicht berücksichtigt, ganz zu Schweigen von anfallendem Sondermüll. Brian Cody geht mit seiner Vision noch weiter und blickt auf die Stadt der Zukunft unter dem Schlagwort „HyperBuilding-City“. In Zukunft sieht Cody die Notwendigkeit der zunehmenden Nutzungsdichte der Stadt, wobei diese weitgehende Autarkie durch intelligente Anordnung der Gebäude und durch die Nutzung von Luft, Licht und Elementen in den Bereichen Energie, Wasser und Nahrung entwickeln solle.

Romantische Weltanschauung

Dietmar Eberle (Architekt, Professor an der ETH Zürich)


Romantische Weltanschauung

„Der Schlüssel zu weniger Technik: mehr Architektur“

Dietmar Eberle zieht eine 75cm starke Ziegelwand wie im Haus „2226“, das Baumschlager Eberle 2013 fertigstellte, der totalen Vernetzung vor. Gebäudehüllen würden ständig optimiert, doch dafür steige der technische Aufwand. Zudem seien viele Systeme redundant, was die Abstimmung immer schwieriger mache. Den Kontakt der Menschen zum Außenraum sieht Eberle durch Technik schwinden, provokanter noch: „Der Mensch beeinträchtigt die theoretische Effizienz“. Eberle erinnert daran, dass Gebäude nicht für technische Systeme da sind, sondern für den Nutzer, der in ihnen stattdessen aber immer häufiger zum „Störfaktor“ werde. Versprechungen hingegen würden in der Praxis kaum je erreicht, weiß der Architekt, der vor 35 Jahren mit der „Cooperative Dornbirn“ und der „Siedlung im Fang“ einen Paukenschlag im ökologischen Bauen gesetzt hat. Denn inzwischen gibt es Untersuchungen, die darlegen, dass LEED-zertifizierte Bauten mehr Energie verbrauchen als „normale“ Gebäude, bei denen Unterhalt und Wartung die Energieersparnis auffressen. Über den Vergleich zu modernen Fahrzeugen, bei denen sich die Technik um alles kümmere und der Fahrer bei Eingreifen eher störe, verweist Eberle auf die eingeschränkte Selbstbestimmung des Individuums über Rahmenbedingungen seines Umfeldes, über das Verhältnis zu seiner Umgebung durch Übertechnisierung, die er sich selbst nicht nehmen lassen will. Nachhaltigkeit bedeutet für Eberle auch, dass seine Gebäude Qualitäten bereitstellen, die auch in Zukunft gelten werden: eine gute Beziehung nach außen, frische Luft und Selbstverständlichkeit im Gebrauch. „Anregend also, einladend für verschiedene Nutzungen ohne dabei banal, gestaltlos zu werden“. Nachdem durch die verbesserte Gebäudehülle heute Verbrauchswerte von rund 50 Kwh/m2a „normal“ sind, wurde die technische Aufrüstung der Lüftung propagiert, es folgten das häusliche Kraftwerk und die Vernetzung. Der Begriff Passivhaus wird vor allem mit der gesteuerten Luftaufbereitung verbunden. Für Dietmar Eberle ist dies jedoch nicht Stand der Technik. Vielmehr verweist er auf Erfahrungen mit drei Bauten gleichen Raumprogrammes jedoch mit unterschiedlichen Ausführungen, die schon vor 25 Jahren gemacht wurden. Der erste Bau wurde entsprechend den damals schon anspruchsvollen gesetzlichen Energiespar-Auflagen ausgeführt, der zweite mit optimierter Gebäudehülle und der dritte mit derselben Qualität, ergänzt um kontrollierte Lüftung mit Erdkollektor – also quasi das Passivhaus. Im Ergebnis hatten letztere denselben Energieverbrauch, jeweils weniger als der erste Bau. Eberle sieht hier eine große Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis und bezeichnet damit den Großteil der Energieberechnungen als problematisch, da nicht dynamisch. Low-Tech-Lösungen, ernstgenommen, bedeuten einfach zu sein, niedrig-komplex, „es eben nicht nach Schema zu machen“, wie Eberle sagt und erfordern damit ein hohes Maß an handwerklichem Wissen und Können und viel Nachdenken beim Planen.

Romantische Weltanschauung Romantische Weltanschauung

Bernhard Hammer (Geschäftsführer der e2 group)


Romantische Weltanschauung

„Eine Reduktion der Technik ist auf Basis der derzeitigen Anforderungen und auch aufgrund des Nutzerverhaltens nicht durchführbar.“

Bernhard Hammer gehe grundsätzlich mit Wolfgang Streicher konform, dass altes Wissen für ein effizienteres Bauen eine gute und sinnvolle Basis ist. Hier sei mittlerweile einiges verloren gegangen und wegen diversester Bau- und Bebauungsvorschriften auch gar nicht umsetzbar. Gleichzeitig sei festzustellen, dass im Bereich der Gebäudetechnik der Anteil an Automatisierung, Überwachung und Technik in den letzten Jahren stark gestiegen ist, sodass der Kostenanteil für Gebäudetechnik von ca. 20 Prozent, beispielsweise im Bürobau, auf mittlerweile ca. 30 bis 35 Prozent angestiegen sei. Die Nutzer forderten die Unabhängigkeit, jederzeit ihre persönliche „Umgebung“ einstellen zu können, auch in Abwesenheit, sodass sich die langfristige Umstellung auf Low-Tech-Überlegungen nur äußerst schwer realisieren ließe.

Romantische Weltanschauung

Wilhelm Jouaux (Architekt bei Sauerbruch Hutton)


Romantische Weltanschauung

„Technik muss sich dem Menschen unterordnen, nicht umgekehrt.“

Farbige Fassadenelemente sind mittlerweile eine Art Markenzeichen von Sauerbruch Hutton, was Wilhelm Jouaux, Projektleiter des COO Cologne Oval Office, keinesfalls stört, zumal sie neben der gestalterischen auch eine gebäudetechnische Funktion erfüllen, indem sie das Gebäudeinnere vor starker Sonneneinstrahlung schützen. Ähnliche Effekte ohne Klappläden wie beim COO hätten sonst nur mit einer sehr starken Sonnenschutzverglasung erreicht werden können, die neben einer völlig anderen Gebäudeanmutung auch den Nachteil gehabt hätte, dass sie Helligkeit grundsätzlich herausfiltert, sodass an trüben Tagen sowie in der dunklen Winterzeit mit einem Plus an künstlicher Arbeitsplatzbeleuchtung hätte reagiert werden müssen. Das „Markenzeichen“ spart also neben Kühlleistung im Sommer gleichzeitig Beleuchtungsaufwand im Winter. Die Philosophie Sauerbruch Huttons ist nicht geprägt durch technoide Bauwerke, sondern versucht, jedem Bau einen eigenständigen Charakter zu geben. Die Technik solle sich dabei dem Nutzer unterordnen, nicht umgekehrt, sodass beispielsweise Mieter jederzeit die Möglichkeit haben ein Fenster zu öffnen ohne dass deswegen die Klimatechnik durcheinander gebracht wird.

Romantische Weltanschauung

Günther Pfeifer (Architekt, Professor an der TU Darmstadt)


Romantische Weltanschauung

„Ich bin gegen Technik, die Architektur ersetzen soll.“

Günther Pfeifer bemängelt vor allem einen wesentlichen Fehler: An der Hochrüstung von Gebäuden auf passable Energiekennwerte findet er per se nichts Verwerfliches. Wenn sich die Diskussion allerdings nur noch darum dreht, was der Umwelt dient und die Architektur dabei vollkommen aus den Augen verloren wird, dann ist es für ihn Zeit diesem Trugschluss ein Ende zu bereiten. Für Pfeifer steht fest, dass die Gebäude weg müssen von Öl und Gas und eine hundertprozentige Co2-Neutralität angestrebt werden müsse. Hierfür offenbart sich ihm neben der technischen Hochrüstung mitsamt konventionellem und stereotypem Einpacken der Gebäude in immer dickere Dämmschichten die Frage danach, ob dies nicht alles auch ganz anders zu erreichen sei, da die Fähigkeit abhanden komme Gebäudetypen und ihre Raum- und Materialzusammenhänge so zu transformieren, dass auch ohne oder nur mit minimalem technischen Aufwand nachhaltig und energieeffizient gebaut werden könne. Typologisches Denken sei durch funktional-technisches Denken ersetzt worden, bemängelt Pfeifer und verweist auf historische Beispiele wie die Hofhauskulturen der arabischen Welt, die die Prinzipien von Austausch und Aufnahme im energetischen Sinne vorbildlich anzuwenden verstanden hätten. Pfeifers Forderung sieht eine dringende Überprüfung heutiger Entwurfsparameter vor, da sich Gestalt nicht mehr nur nach den Gestaltgrundsätzen der Architekturgeschichte richten könne, sondern auch nach den Prinzipien von Austausch und Aufnahme: Dem kybernetischen Prinzip.

Romantische Weltanschauung

„Unser architektonischer Anspruch zielt darauf ab, Gebäude zu entwickeln, in denen das Verhältnis zwischen dem Teil und dem Ganzen kybernetischer Natur ist.“

Dieses sehe die Verknüpfung all der Parameter vor, die ein Gebäude enthält und gestaltet mit allen Elementen des Ortes, der Umgebung und des Klimas. Dies stehe im Kontrast zum „technologischen Prinzip“, denn die Interdependenz werde auf natürliche Weise hergestellt. Häuser die nach diesem Prinzip gebaut würden, können zwar durchaus einen höheren Heizenergiebedarf als Passivhäuser erreichen, zu berücksichtigen sei dabei allerdings vor allem auch der Primärenergiebedarf, der bei Passivhäusern durch Energie für Lüftung, Wärmerückgewinnung oder Stromzusatzheizung um bis zu 80 Prozent höher liege. Günther Pfeifer ist kein Maschinenstürmer, er lehnt Technik nicht rundweg ab, doch wenn er sie nicht braucht, verzichtet er gerne darauf und führt als Negativbeispiel Gebäude mit so großen Fenstern an, dass sie künstlich gekühlt oder sogar renoviert werden müssen, da der Energieverbrauch schlichtweg zu hoch sei. Auch Pfeifer profitiere von technischen Erfindungen, wenn er wie bei seinem Doppelhaus in Müllheim einen Luftkollektor baue, der die warme Luft im Dach sammelt. Dabei sei ein Luft-Wasser-Wärmetauscher am Wärmespeicher sehr hilfreich. Problematisch findet er allerdings, wenn die zukünftigen Fragestellungen sich nur noch um die Optimierung der Technik drehen statt die Architektur weiter als „identitätsstiftenden Ausdruck des Ortes, der Region“ und des Klimas zu begreifen.

Romantische Weltanschauung

„Architektur muss weiter als identitätsstiftender Ausdruck des Ortes, der Region und der Klimazone begriffen werden.“

Die Lösung sei die optimale Nutzung solarer Energie, die mit architektonischen statt mit technischen Mitteln umzusetzen sei. Dadurch benötige eine solche Architektur eine möglichst große Fassade ähnlich eines Baums, der seine Oberfläche mit Hilfe der Blätter vergrößere, sowie Energieräume, um darin Wärme zu speichern. Dies ziehe aber keine höheren Kosten nach sich, da größerer umbauter Raum nicht mehr kosten dürfe als die Technik, die für ein kleineres Haus mit denselben Energiekennzahlen nötig wäre. Während Passivhäuser pro Quadratmeter Wohnfläche zwischen 1900 und 2000€ kosten, kommen Pfeifers Häuser mit Kosten zwischen 1300 und 1500€ aus. Und auch für Altbauten sieht er gute Chancen „wunderbar moderne und energieeffiziente Häuser“ entstehen zu lassen, denn gerade Altbauten seien oftmals durch ihre Speichermassen, große Keller und Dächer und daraus resultierenden Potentialen für Luftkollektoren viel intelligenter konstruiert als Neubauten.

Romantische Weltanschauung

Wolfgang Streicher (Professor an der Uni Innsbruck)


Romantische Weltanschauung

„Low-Tech-Gebäude: Hirn schlägt Elektronik.“

Im Verständnis von Wolfgang Streicher müssen Gebäude nicht hochtechnisiert sein. Der Universitätsprofessor propagiert vielmehr die integrale Planung, traditionelles Wissen, historische Bautechnologien sowie sparsam eingesetzte Technik. Und damit: Low-Tech-Gebäude, die gleiche Energieeffekte zu niedrigen Kosten erreichen und so als „Antithese zum übertechnisierten Gebäude“ stünden. Seine Begründung fußt vor allem auf der Grundüberlegung, dass intelligente Gebäude keine oder nur wenig zusätzliche künstliche Intelligenz benötigen. Diese Intelligenz eines Gebäudes könne durch die Beachtung natürlicher physikalischer Effekte, lokal vorhandener Ressourcen und Rohstoffen generiert werden. Energieeffizientes Bauen werde so weiterentwickelt und an moderne Erfordernisse angepasst. Wolfgang Streicher ist als graduierter Maschinenbauer und bisheriger Leiter der Arbeitsgruppe „Energieeffiziente Gebäude“ am Institut für Wärmetechnik der TU Graz nicht als Technikfeind zu verstehen; sein Credo ist vielmehr eine Mischung aus „back to the roots“ und moderner Technologie. Sicherlich sieht Streicher im Trend zur Automatisierung von Haustechnik den wesentlichen, wenn auch theoretischen, Vorteil der besseren Regelbarkeit.

„Gebäude leben 50 Jahre, allein die Lagerhaltung elektronischer Bauteile ist oft nicht über diesen Zeitraum hinaus gewährleistet und nach 20 Jahren gibt es kaum mehr die Möglichkeit die Software des Systems zu lesen oder zu warten.“

Diesem stünden allerdings die Nachteile hoher Investitions- und Wartungskosten gegenüber, die oftmals aufwändige Inbetriebnahme und System-Abstimmung, sowie schließlich die gegenüber dem Gebäude wesentlich kürzere Lebenszeit der Sensorik, der Aktorik und Elektronik. Streicher stellt die Frage in den Raum, ob es nicht zielführender sei, ein Gebäude von vornherein so zu bauen, dass es aufgrund seiner Eigenschaften nur eine sehr geringe zusätzliche Regelung benötigt und diese wiederum so einfach wie möglich zu gestalten sei. Mit Technik ließe sich dagegen alles kaschieren. Der Mit-Entwickler des Energieausweises stellt ein spezifisches Anforderungsprofil an Low-Tech-Gebäude auf, bei dem er einen niedrigen Heizenergiebedarf durch „sehr gute Dämmung und sehr gute Fenster“ mindestens in Passivhaus-Qualität fordert, sowie einen optimalen sommerlichen Überwärmeschutz durch die Ausrichtung des Gebäudes und die richtigen Fensterflächen, gute bauliche Verschattung im Sommer, aktivierbare Speichermassen und Nachtauskühlung durch natürliche Lüftung inklusive Schlagregen- und Einbruchschutz. Mit Low-Tech können Investitionskosten und Komplexität der Haustechnik gesenkt werden. Low-Tech sei robuster und langlebiger als Hightech, sagt Streicher, entspreche aber nicht dem heutigen Drang alles mit Elektronik zu optmieren.

„Low-Tech benötigt ein Gesamtverständnis des Systems Mensch-Gebäude-HLK und damit eine integrale Planung.“

Die Antwort auf die Frage warum Low-Tech bisher nicht weiter verbreitet sei, sieht Streicher bei den Endkunden, die nicht bereit seien, den höheren Planungsaufwand trotz niedrigerer Herstellungskosten auch finanziell zu honorieren und führt damit den Aspekt der Nutzer generell ins Feld, wenn er die Frage stellt inwieweit dieser bereit sei, Eigenverantwortung für die Bedienung des Gebäudes zu übernehmen, oder ob erwartet werde, dass die Regelung eines Gebäudes jedes Verhalten toleriert und ausgleichen müsse. Könne dem Benutzer auch manuelles Handling im Einfamilienhaus zugemutet werden oder solle die Haustechnik alle Entscheidungen übernehmen und so den Benutzer unmündig machen?

Romantische Weltanschauung
Thesen

Thesen

Übersicht

Gegliedert in sechs Thesenfelder, die jeweils mehrere Aspekte, Kritik sowie Befürwortung von Low-Tech-Architektur, unter einem Überthema, einer Überthese zusammenfassen, soll auf den nachfolgenden Seiten ein Überblick gegeben werden wie Low-Tech in der aktuellen Debatte der Nachhaltigkeit einzuordnen ist. Von genereller Technikkritik und der Aussage, dass Low-Tech-Lösungen durch ihre Komplexität im Planungsprozess und dem hohen Maß an kreativer und intelligenter Entwicklungsarbeit unter Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse gewissermaßen als „Hightech“ verstanden werden müssten, über das kybernetische Prinzip und den Wunsch „ehrliche“, unkaschierte Architektur erhalten zu wollen bis hin zu den Aspekten Kosten, Energie und Entsorgung und einem Nutzer- und Endkundenverhalten, dass der breiteren Realisierung von Low-Tech-Lösungen im Weg zu stehen scheint.

Technikkritik

„Eine zunehmende Technisierung der Gesellschaft führt zum Verlust kultureller und traditioneller Hintergründe als wichtige Identifikation der Gesellschaft.“

Ein großes Themenfeld stellt die Technikkritik dar, die der Gesellschaft das Gefühl für die Entstehungsprozesse der Produkte aberkennt, die sie erst durch die zunehmende Technisierung gewinnen konnte. Oft vermitteln komplizierte technische Gerätschaften, gerade auch solche des täglichen Gebrauchs, eine „Das-kannst-du-nicht“-Botschaft. Wissenschaftliches Knowhow und entsprechendes Kapital schließen die Mehrheit von einer Teilhabe aus. Kulturelle und traditionelle Hintergründe gehen dabei zunehmend verloren und damit auch ein großer Identifikator der Gesellschaft. Dabei vergisst man jedoch oft, dass es „die Technik“ an sich gar nicht gibt; dass hinter ihr dagegen Techniker stehen, als Erfinder, Produzenten und nicht zuletzt Vermarkter ihrer Produkte. Diese Techniker, ebenso wie der gemeine Mensch als Nutzer und Verbraucher, sind für allen Segen und für alle Fragwürdigkeit des technischen Fortschrittes verantwortlich, sowie auch für dessen Ausmaß und Steuerung. Nicht umsonst wird „High-Tech“ meist als adelndes Attribut gebraucht, während „high technician“ eher eine dubiose Umschreibung für Wissenschaftler darstellt. Der Begriff „Solutionism“ betont die Beschränkungen von Technik in ihrer Eigenschaft der Reaktion auf bestehende Probleme durch technische Lösungen.

Dennoch wird Technik gerechtfertigt durch ihre Effizienz-, Sicherheits- und Komforteigenschaften. Dabei spielt aber auch die Bedarfsgenerierung eine wichtige Rolle, denn oftmals erscheinen technische Lösungen nahezu überdimensioniert („Eigentlich wollte ich doch nur das Licht anmachen“). Nicht zuletzt hierdurch treibt Technik teilweise regelrecht die Gesellschaft vor sich her ohne umgekehrt auf ihre konkreten Bedürfnisse zu reagieren. Technikentwicklung erscheint zunehmend losgelöst vom gesellschaftlichen Diskurs.

Tatsächlich scheint Technik gerade die Probleme, die durch sie gelöst werden und oft auch nur durch sie lösbar scheinen, selbst zu generieren. Hierbei übernimmt Technik nicht selten auch Aufgaben, die eigentlich soziale oder politische Angelegenheiten sein müssten. Anhand des Beispiels des immer größeren Verkehrsaufkommens in Städten lässt sich dies gut darstellen, wird hier doch eine entsprechende technische Automatisierung der Kraftfahrzeuge als Lösung ins Feld geführt, um das Fahrverhalten sicherer und den Verkehrsfluss effizienter zu gestalten, statt die Menschen an ihre Verantwortung zu binden und entsprechende Infrastrukturen zu schaffen. Das Aufrechterhalten der deutschen Wohlstandsgesellschaft ist gewissermaßen nur mit Technik möglich, sodass die Energiewende ein ganzheitliches stadtrelevantes, gesamtgesellschaftliches, ethisch weitreichendes Thema bleibt, das eine Menge Aufmerksamkeit fordert. Technikkritik als Sichtweise, durch die der gegenwärtigen Zustand oder die Zukunft der Menschheit durch Fortschritte in Wissenschaft, Technik und Forschung als gefährdet oder bedroht angesehen wird, darf allerdings nicht zu einer pauschalen Kritik jeglicher technischer Anlagen in Gebäuden werden. Vielmehr muss immer wieder die menschliche Verantwortung in den Vordergrund gerückt und Technik im Gesamtzusammenhang betrachtet werden.

Lowtech ist Hightech?

„Eine kreativer und intelligenter Entwicklungsprozess für Low-Tech-Lösungen unter Berücksichtigung neuester wissenschaftlicher Erkenntnisse lässt „Low-Tech“ zu einer Art High-Tech werden.“

Entgegen vielerlei Annahmen, dass weniger Technik auch automatisch mit weniger Planungsaufwand verbunden sei, ist dies in der Realität tatsächlich oft genau umgekehrt. Hinter umsetzbaren, energetisch und wirtschaftlich effizienten Low-Tech-Lösungen steht oft eine langjährige komplizierte Entwicklungsarbeit, die Low-Tech im Endeffekt zu einer Art „High“-Tech werden lässt. Weiter gilt Low-Tech im Gegensatz zu High-Tech noch immer nicht als massentauglich, sodass entsprechenden Systemen kein Bestehen im Wettbewerb attestiert wird. Dabei müssen Low-Tech-Lösungen gerade als Weiterentwicklung des energieeffizienten Bauens und dessen Anpassung an moderne Anforderungen betrachtet werden, um ihren Stellenwert richtig einschätzen zu können. Während High-Tech den theoretischen Vorteil besserer Regelbarkeit auf seiner Seite verbucht, stehen auf der Haben-Seite des Low-Tech niedrigere Investitions- und Wartungskosten, ein geringer Aufwand bei Bau und Instandhaltung sowie die weit längere Lebensdauer von Sensorik, Aktorik und Elektronik der technischen Bestandteile. Insgesamt steht Low-Tech also für einen Sieg menschlicher Intelligenz und Kombinationsgabe über eine standardisierte und oftmals viel zu überdimensionierte Gebäudetechnik, um es mit Wolfgang Streicher auszudrücken: „Hirn schlägt Elektronik“.

Kybernetik

„Der technologische Fortschritt steht der Erkenntnis der Zusammenhänge vieler energetischer Grundelemente im Wege.“

Anstatt sich mit einem Gebäude vollständig gegen die Natur abzuschotten und im Inneren durch aufwändige technische Anlagen ein eigenes Mikroklima zu schaffen, gibt es vielmehr auch die an sich naheliegendere Möglichkeit gerade mit diesen äußeren Bedingungen in der Natur zu arbeiten; sich diese zunutze zu machen. Wenn es gelingt die Energieeinträge eines Gebäudes, auf den Standort bezogen, zu ermitteln, lassen sich dadurch auch alle notwendigen Arten und Massen des Speichermediums ermitteln. Erwärmung und Kühlung können über Speichermasse oder Luft transportiert werden, sodass vorhandene Energien, wie solare Gewinne und Erdwärme, ausreichen, um Heizen und Kühlen zu übernehmen. Unter dem Oberbegriff „Kybernetisches Prinzip“ wird genau dieses Vorgehen zusammengefasst: Die interdependente Verknüpfung von einem Gebäude mit allen Elementen des Ortes, der Umgebung und dem Klima - auf natürliche Weise. Grundvoraussetzung für diese Methode ist die technische Möglichkeit der Umwandlung per Wärmetauscher und Wärmerückgewinnung und vor allem die richtige Zonierung im architektonischen Entwurf. Hofhauskulturen der arabischen Welt, aber auch das Hypokaustum aus der römischen Antike geben hierbei historische autochthone Beispiele, an denen sich auch heute wieder erfolgreich orientiert werden kann. Der technologische Fortschritt steht dabei der Erkenntnis der Zusammenhänge vieler energetischer Grundelemente, die oftmals mehrfach genutzt werden können, im Wege.

Architektur wahren

„Energetisch-technisches Aufrüsten dient oft der Umwelt, der Einfluss auf die Architektur ist jedoch bedenklich.“

Durch ausgeklügelte technische Anlagen können solare Lasten in Form von Wärme, die über die Fassaden ins Gebäude gelangen, nachträglich wieder aus dem Gebäude geführt werden. Statt diese Lasten von vorneherein zu vermeiden, ist durch Technik fast alles zu kaschieren, was an Vorüberlegungen nicht geleistet wurde. Ehrlicher authentischer Architektur kann dies nur im Wege stehen, da durch zunehmende Technisierung immer mehr „vollverkleidete Mysterien“ entstehen, die vom Nutzer nur noch schwer durchdrungen werden. Natürlich dient energetisch-technisches Aufrüsten oft der Umwelt, der Einfluss auf die Architektur ist jedoch bedenklich. Natürlich muss der Weg weg führen von Öl, Gas und CO2-Emissionen, architekturtypische Elemente gehen jedoch durch das „Einpacken“ der Gebäude unter immer dickeren Dämmschichten verloren. Günther Pfeifer hat es einmal als „Systemfehler par excellence“ bezeichnet immer dickere Dämmungen zu verwenden und die Gebäude damit in Analogie zur Natur gesetzt, in der die äußere Haut stets die dünnste Lage ist. Wie unsere Haut oder unsere Kleidung auch nicht luftdicht abgeschlossen ist, so sollte es seiner Meinung nach auch die nächste Schicht um uns, das Gebäude, nicht sein. Das einst vorrangige typologische Denken wird durch die Möglichkeiten der Technik durch immer funktionaleres und technologischeres Denken ersetzt.

Energie und Kosten

„Low-Tech-Gebäude können heute mit gleichen bis besseren energetischen Kennwerten und optimierter Behaglichkeit hergestellt werden als hochtechnisierte.“

Mittlerweile können – wie auch in der Rubrik der Referenzgebäude dargestellt – Low-Tech-Häuser mit gleichen bis besseren energetischen Effekten als hochtechnisierte Bauten und gleichzeitigen finanziellen Einsparungen hergestellt werden. Hochtechnisierung hat ihre Alleinstellung zur Erreichung nachhaltiger energieeffizienter Bauten längst eingebüßt. Während früher der Kostenanteil der Haustechnik an einem Gebäude um 20% betrug, sind es heute ca. 35%, worin ein großes Einsparpotential besteht. So ist es möglich, dass beispielsweise das „Patchworkhaus“ von Günther Pfeifer mit 30kWh/m2a zwar doppelt so viel Heizwärme benötigt wie ein standardisiertes Passivhaus, dabei jedoch einen wesentlich geringeren Primärenergiebedarf bis zu - 80% aufweist. Analog zur Müllproduktion in Konsumgesellschaften durch Technikideen, Wachstumsideologien und Bedarfsgenerierung, gilt allerdings auch Architektur teilweise immernoch als Wegwerfware und wird dementsprechend unüberlegt behandelt, sodass jährlich 258 Mio. Tonnen Baurest anfallen, die ganze 23% des gesamten Abfallaufkommens ausmachen.

Nutzerproblematik

„Der Mensch darf nicht länger als „Störfaktor“ möglicher Effizienz begriffen werden, sondern muss als wesentlicher Bestandteil in Konzeption und Planung integriert werden.“

Ein wichtiger und schwieriger Aspekt bei der Umsetzung von Low- und No-Tech-Lösungen ist das Nutzerverhalten. Planer sowie Ausführende scheinen einig darüber, dass die Frage wie weit der Endkunde dazu bereit ist Eigenverantwortung für die Regelung des Gebäudes in dem er lebt oder sich temporär aufhält zu übernehmen, eine entscheidende Rolle spielt. Fraglich ist dagegen oftmals inwieweit dem Nutzer eine solche Verantwortung anvertraut bzw. „zugemutet“ werden kann. Man bedenke nur Beispiele in Passivhäusern, bei denen dem Schimmel durch falsches Lüftungsverhalten ein idealer Nährboden bereitet wurde. Weiter wird auf die Mündigkeit des Individuums verwiesen, denn diese wird nach Meinung vieler Kritiker langfristig eingeschränkt, indem die Technik dem Nutzer das Denken nahezu abnimmt und abhängig von äußeren Einflussfaktoren selbstständige „Entscheidungen“ trifft. Der Bezug zwischen Gebäude und Nutzer wird abgelöst durch Gebäude, die zunehmend für die Gebäudetechnik konzipiert werden. „Der Mensch als Störfaktor“, wie Dietmar Eberle es formuliert hat, ist ein Zustand, dem entgegengewirkt werden muss. Der Mensch darf nicht länger als Einschränkung möglicher Effizienz begriffen werden, sondern muss als wesentlicher Bestandteil in Konzeption und Planung integriert werden. Dazu gehört auch die Bereitschaft der Endkunden den höheren Planungsaufwand für intelligente Low-Tech-Lösungen auch finanziell zu honorieren.

Beispielbauten

Beispielbauten

Übersicht

Um nicht nur in der Theorie, sondern auch praktisch darzustellen, wie sinnvolle energieeffiziente und umweltschonende Low-Tech-Gebäude konzipiert werden können und dabei nicht einmal mehr, in vielen Fällen sogar deutlich weniger Herstellungs- und Betriebskosten generieren als herkömmliche oder hochtechnisierte Gebäude, sollen an dieser Stelle Beispielgebäude renommierter und weniger bekannter Architekten vorgestellt werden, die auf unterschiedliche Arten und Weisen genau dieses Ziel erreicht haben.

Dabei reicht die Spanne der konzeptionellen Energieansätze von dickem Ziegelmauerwerk als Speichermasse über Luftkollektoren, dem Triple Zero-Prinzip ®, Lehmsteinen, Klimahöfen, bis hin zu Holzöfen, Dachbegrünung und der Einbettung des Baukörpers in die Natur. Genauso vielfältig wie das Thema Low-Tech selbst, kreativ und intelligent, präsentieren sich so auch die unterschiedlichen Lösungsansätze und geben einen Überblick über erste Ideen, Planung und Ausführung im Low-Tech-Sinne.

Haus 2226

Haus 2226

Baumschlager Eberle, Lustenau, 2013

Baumschlager Eberle haben 2013 ein Bürogebäude in Lustenau fertiggestellt, das ohne Heizung, ohne Lüftung, ohne Kühlung und ohne Dämmung auskommt. Es ist ein Passivhaus im klassischen Sinne des Wortes. Ein Haus das reagiert, und zwar auf seine Nutzer, die Geräte, auf die internen Lasten also. Die Wände bestehen aus 76cm dickem Ziegelmauerwerk, zweischalig und verzahnt gemauert und mit einem langlebigen, weißen Kalkputz verputzt. Dies erzeugt eine große Speichermasse, die durch die Stahlbetondecken und -böden noch vergrößert wird. Neben der Speichermasse erzeugen die dicken Wände auch Laibungstiefen, die einen zusätzlichen Sonnenschutz überflüssig machen. Der Ziegel sorgt zudem für geringe Temperaturdifferenzen zwischen Material und Raumluft und trägt wesentlich zur Behaglichkeit bei.

Mit 22% Fensterfläche ist der Fensterflächenanteil im Vergleich zu vielen anderen modernen Bürogebäuden recht gering, die lichten Raumhöhen von 3,40m bis 4,50m sind dagegen äußerst großzügig bemessen und nutzen das Tageslicht optimal aus. Einzig eine speziell entwickelte Software misst die Lufttemperatur, den Feuchte- und den CO2-Gehalt und steuert automatisiert die Lüftung über die Lüftungsflügel der Fenster, sodass im gesamten Gebäude ständig Temperaturen von 22-26°C herrschen.

Im Inneren nehmen vier Quader mit unterschiedlichen Abmessungen Nebenräume, Treppen und Lift auf und gliedern so den ansonsten fließenden Grundriss. Die Gebäudekubatur ist nicht exakt orthogonal, sodass einige Geschosse leicht versetzt bzw. verdreht wirken und leicht über die anderen Geschosse hinauskragen. Neben den eigenen Büroräumen von be Baumschlager Eberle beherbergt das Gebäude auch die Räume angeschlossener Ingenieurbüros sowie weiterer Firmen. Haus „2226“ ist jedoch kein reiner Bürobau, sondern bietet auch Platz für zwei Kunstgalerien - Häusler Contemporary und Maximilian Hutz - sowie eine öffentliche Caféteria. Der Low-Tech-Bau steht im Milleniumpark im Lustenauer Gewerbegebiet und bereichert diesen seither mit seiner modernen starken Präsenz sowie dem innovativen Konzept, das hoffentlich schon bald viele Nachahmer finden wird.

Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226
Haus 2226

"Mutterhaus"

Rudolf Finsterwalder, Bad Endorf, 2011

Das Passivhaus wurde von Rudolf Finsterwalder für seine Mutter geplant und 2011 in Bad Endorf gebaut. Statt die Natur zu dominieren fügt es sich durch seine Kubatur und Ausrichtung in die Landschaft ein und stellt so keinen Fremdkörper dar. Bis auf wenige Elemente im Innenraum wurde es ohne „Ecken und Kanten“ geplant, die primäre Konstruktion besteht aus 30cm dickem massiven Fichten-Dickholz, das leimlos gefügt wurde und mit einer vertikalen Lärchenholz-Stulp-Schalung versehen wurde. So ist es möglich, dass das Gebäude mit nur einem einzigen Kachelofen im Wohnzimmer, der pro Heizperiode etwa 3m³ Holz benötigt, geheizt werden kann. Zur Warmwassererwärmung wurde zusätzlich auf Solarthermie (ST) gesetzt, weswegen das „Mutterhaus“ auch konsequent nach Sonnenstand ausgerichtet wurde. Auf künstliche Materialien wie Beton oder Estrich wurde komplett verzichtet, das Flachdach zudem begrünt und der Bau komplett barrierefrei gestaltet. Im Gegensatz zur Fassade wird die tragende Funktion von den Innenwänden übernommen, die 12cm dick sind und ebenfalls aus Fichten-Dickholz gefertigt wurden. Sie erlauben der Fassade ihr dynamisch-organisches Eigenleben. Nicht umsonst wurde die Gebäudeform bereits als „Quitte“ tituliert, gleicht sie nicht nur äußerlich der Frucht, sondern setzt auch das Innere des Baus in Analogie zum Kerngehäuse dieser. Für den Bau musste trotz der moderaten Hanglage kaum Erdboden bewegt werden, da vier Stufen im Inneren diesen Niveauunterschied auszugleichen vermögen. Die heutige Bewohnerin und Rudolf Finsterwalders Mutter, Helga Maria Finsterwalder sorgte sich jedoch zunächst vielmehr darum, wie in einem solchen Grundriss das Stellen von Möbeln bewerkstelligt werden sollte. Vom 670m2 großen Grundstück sollte mit seinem prächtigen Blutahornbaum so viel wie möglich erhalten bleiben. Rudolf Finsterwalder, der auch Autor des Buches „Form follows Nature“ ist, hat es hierbei geschafft das Haus so natürlich in seine Umgebung zu betten, dass sich durch die Rundungen und Kurven überall immer neue Raumbilder und - wahrnehmungen ergeben, die auch den Garten mit einschließen. Das „Mutterhaus“, wie es einem bei der Ankunft als erstes begegnet: hell, freundlich, natürlich und einladend. Vor allem steht es in einem scharfen Kontrast zur umgebenden Bebauung, die sich vorrangig durch kantige und scharfe Kubaturen mit Satteldächern auszeichnet.

Mutterhaus
Mutterhaus
Mutterhaus
Mutterhaus
Mutterhaus
Mutterhaus
Passivhausscheibe Salzkammergut

Passivhausscheibe Salzkammergut

Hermann Kaufmann, Roitham (AUT), 2000

Aus einem alten Messepavillon, unter Verwendung der ausgedienten Bausubstanz als primärer Tragstruktur und Anpassung der Kubatur an die bestehende Konstruktion, entstand im Jahr 2000 die „Passivhausscheibe Salzkammergut“ als Einfamilienhaus, das damals bereits als „Haus der Zukunft“ bezeichnet wurde. Bis hin zu Bücherregalen aus alten Kojentrennwänden wurde dabei nahezu alle Bestandteile des Pavillons wiederverwendet. Getreu dem Motto, dass Wärme, die nicht verloren geht auch nicht erzeugt werden müsse, wurde die Gebäudehülle zunächst thermisch optimiert, Wärmebrücken vermieden und eine exakte Ausführung von Luft- und Winddichtheit verfolgt. Das Gebäude besitzt eine kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage mit hocheffizienter Wärmerückgewinnung und Kleinstwärmepumpe samt Warmwassererzeugung und Luftvorerwärmung durch einen Erdkollektor (EK). Die gesamte Haustechnik benötigt so nur etwa 1,5m2 Platz und kann durch ein Kompaktaggregat (KA) problemlos im WC untergebracht werden. Die Konstruktion des Baus besteht aus einer gedämmten Fundamentplatte mit hochgedämmter Distanzbodenkonstruktion als Designfertigboden. Durch den Messepavillon vorhanden war bereits die Struktur aus Leimbindern und runden Leimholzsäulen sowie einer Sichtdeckenschalung, die Außenwände wurden nachträglich 40cm dick gedämmt. Das Dach wurde extensiv begrünt. Der alte Messebestand wurde lediglich geschliffen, um eine neuwertige Holzoptik zu erzielen. Alle Naturflächen blieben unversiegelt. Zudem wurde kein Holzschutz aufgebracht. Dies trägt zum erhöhten Wohnkomfort und zur Behaglichkeit in moderner und anspruchsvoller Architektur bei. Durch den geringen Platzbedarf von nur 1,5 m² hat die gesamte Haustechnik in der Toilette Platz. Das hat erheblich Bauvolumen und Baukosten eingespart. Ebenso wurde auf möglichst kurze Leitungsführungen und beste Dämmung aller haustechnischen Leitungen geachtet. So entstanden ist aus dem ehemaligen Messepavillon ein Passivhaus, das ohne Mehrkosten im Vergleich zur herkömmlichen Bauweise auskommt. Als Österreichs ältestes PHI zertifiziertes Passivhaus hat die „Passivhausscheibe“ mehrere Auszeichnungen erhalten, u.a. den Preis „Haus der Zukunft 2000“ oder den OÖ. Umweltschutzsonderpreis 1998.

Passivhaus
Passivhaus
Passivhaus
Passivhaus
Passivhaus
Passivhaus
Haus R128

Haus R128

Werner Sobek, Stuttgart, 2000

Das Haus R128 entwarf Werner Sobek als Einfamilienhaus auf vier Etagen für sich und seine Frau sowie seinen Sohn. 2001 fertiggestellt sollte es als Experimentalbau dienen, in dem Sobek ausloten wollte, wie weit ökologisches Bauen gehen kann. Der Bau folgt dem „Triple-Zero“-Ansatz (keine Emissionen, kein Energieverbrauch, kein Sondermüll) und besteht primär aus einem Stahlskelett aus feinen Stahlträgern, das durch filigrane Andreaskreuze, ebenfalls aus Stahl, ausgesteift wurde. Alle Außenwände bestehen aus 33mm dickem Zweischeiben-Isolierglas, Innen- bzw. Trennwände gibt es keine. Die Deckenelemente wurden in Dickholzbauweise gefertigt und dienen als Wärmespeicher (WS) für die über die Fassade eingestrahlte solare Energie. Im Heizfall geben die Elemente durch die Umkehrung des Wärmeaustauschprozesses, die Wärme wiederum an den Raum ab, sodass eine zusätzliche Heizung durch diese Art der Heiz-Kühl-Decke entfallen kann. Auf dem Dach sorgt eine Photovoltaikanlage (PV) für die Warmwasserbereitung. Der Eingang des Gebäudes ist über eine Brücke zu erreichen und führt in die oberste Etage, in der sich die Küche und der Essbereich befinden. Nach unten hin folgen die Wohnebene, die Schlafebene und das Kinderzimmer mit dem Technikbereich. Wenige Möbelstücke definieren hier den Raum. Alle Verbindungen wurden modular, als Schraub- oder Steckverbindungen ausgebildet und sind somit leicht lös- und trennbar. Weder Putz noch Estrich wurde verwendet, um schlecht lösbare Werkstoffverbände konsequent zu vermeiden. Entsprechend sucht man auch Unterputzleitungen vergeblich. Alle Leitungen wurden in Blechkanälen entlang der Fassade geführt. Weitere Besonderheit des Gebäudes ist das Auskommen ohne Schalter, Griffe oder Armaturen. Stattdessen werden sämtliche Vorgänge über berührungslose Sensoren oder voice control gesteuert. Das Energiekonzept ist insgesamt computergesteuert, so dass es zu jeder Zeit und an nahezu jedem Ort per Mobilfunkgerät oder Computer geregelt werden kann. Bei allem Sinn für Low-Tech-Lösungen weist Sobek allerdings selbst darauf hin, dass diese Art des Bauens – das EFH – durch seinen Flächenverbrauch nur bedingt nachhaltig sein könne und das Bauen komplett ohne Technik nur das Bauen für eine Minderheit ermöglichen würde. Sein Credo lautet daher massenverträgliches „High-Eco-Tech“.

HR128
HR128
HR128
HR128
HR128
HR128
Deutsches Historisches Museum

Deutsches Historisches Museum

Brenne Architekten, Berlin, 2003

Das Deutsche Historische Museum als eines der wichtigsten Zeugnisse barocker Architektur in Norddeutschland wurde bis Ende 2003 nach historischen Plänen energetisch saniert. Gerade bezüglich der Historizität sollten die Fenster ihr ursprüngliches Erscheinungsbild behalten. Durchblickweiten von bis zu 90m stellen eine große Besonderheit dar. Gerade in Kombination mit dem Rundumausblick sind diese Räume wohl einzigartig. Unter Nutzung der vorhanden Wandtiefen und Fensternischen lenkt eine Ganzglasscheibe mit einem darüber liegenden „lightshelf“ innen nun Licht und Luft im Gebäude. Fassadenintegrierte Lüftungsgeräte sorgen – als Sitzbänke ausgebildet und somit optisch im Inneren ohne Beeinträchtigung – für das Heizen, Kühlen, Be- und Entfeuchten der Raumluft sowie zur bedarfsgerechten Versorgung des Gebäudes über Quelllüftung mit gefilterter und temperierter Frischluft in große Raumtiefen. Die dezentrale Klimatisierung ermöglicht so eine differenzierte Regelung einzelner Ausstellungsbereiche für Exponate mit unterschiedlichen Anforderungen und vermeidet aufwendige bauliche Maßnahmen für Klimaanlagen. Konstant können so Temperaturen von 20 °C ± 1 und eine relative Luftfeuchtigkeit von 52,5 % ± 2,5 aufrechterhalten werden. Grundrisstechnisch wurde der ohnehin bereits klar gegliederte Baukörper mit seiner quadratischen Grundfläche um weitere Ausstellungsfläche ergänzt, die durch eine Umstrukturierung der vorhandenen Fläche erfolgte. Die Treppenhäuser in den Ecken übernehmen sämtliche Fluchtwegfunktionen, sodass die Freitreppen nun gänzlich zum „Flanieren“ genutzt werden können. Das Büro Winfried Brenne Architekten gewann 1998 den Realisierungswettbewerb mit europaweitem Auswahlverfahren. Die Begründung der Jury dabei lautete wie folgt: „... Eine zurückhaltende Handschrift zugunsten des Bestandes charakterisiert den Entwurf. Bescheidenheit im architektonischen Selbstverständnis ermöglicht eine flexible Museumsnutzung. [...]."

Das vorgeschlagene Lüftungssystem wird als innovativ gewürdigt, wenn auch die Funktionstüchtigkeit noch nicht in allen Einzelheiten erkennbar ist. ...“ Diese konnte mittlerweile jedoch erfolgreich nachgewiesen werden. Ressourcenschonung ist beim Deutschen Historischen Museum Berlin ein großes Stichwort: Durch die Revitalisierung des vorhandenen Gebäudes statt eines Neubaus entstand zum einen kein zusätzlicher Flächenverbrauch, zudem musste nur mit minimierten Stoffflüssen gerechnet werden. Vorrangig natürliche nachwachsende Baustoffe mit offenen klimatisch wirksamen Oberflächen wurden verwendet. Durch die direkte Nähe zur Museumsinsel stellte sich zudem ein Synergieeffekt ein, die zentrale Lage in der Stadtmitte bedingt kurze Wege und eine gute Verkehrsanbindung. Mit dem Ziel die Ausstellungsfläche des Museum im historischen Zeughaus um Fläche für wechselnde Sonderausstellungen zu vergrößern, wurde bis 2003 der Ausstellungsbau des DHM nach Plänen des weltweit renommierten chinesischen Architekten Ieoh Ming Pei errichtet. Rund 2000m2 Fläche sind so in Form von nach geometrischen Grundformen angeordneten Baukörpern entstanden, Dreieck, Kreisbogen und Rechteck, die die Ausstellung, aber auch das Foyer und den Treppenturm sowie das Werkstattgebäude aufnehmen.

DHM
DHM
DHM
DHM
DHM
DHM
DHM
Grundschule Niederheide

Grundschule Niederheide

IBUS Architekten und Ingenieure, Hohen Neuendorf, 2010

Mit der Grundschule Hohen Neuendorf ist 2011 Deutschlands erste Plus-Energie-Schule entstanden und hat damit gezeigt, dass Plus-Energie-Konzepte auch auf Schulgebäude übertragen werden können. Der Neubau umfasst den Bau einer 3-zügigen Grundschule mit integrierter Dreifeld-Sporthalle. Neue pädagogische Unterrichtskonzepte wurden bei der Planung berücksichtigt, um ein zukunftsfähiges Lernumfeld zu schaffen, bei dem auch flexible Konzepte zur Anwendung kommen können. Die Konstruktion besteht aus Stahlbeton in Massivbauweise, um möglichst große thermische Speichermassen zu generieren, mit einer vorgesetzten Fassade aus Vormauerziegeln. In den Brüstungsbereichen der südorientierten Klassenraumfenster und der ostorientierten Fachraumfenster sowie zur Minimierung kleinflächiger Wärmebrücken werden Vakuum-Dämmpaneele eingesetzt. Eine hohe Tageslichtausbeute und die Minimierung solarer Lasten ist wesentlich für das Konzept, das die unterschiedlichen inneren Anforderungen (räumlich, lichttechnisch und gestalterisch) berücksichtigt, wofür spezielle Sonnenschutz und Tageslichtsysteme entwickelt wurden. Nanogelverglasungen oder elektrochrome Verglasungen sind als innovative Materialien zu nennen, die hierbei zum Einsatz kommen. Durch die hohe Tageslichtautonomie wird der Strombedarf gesenkt, die Beleuchtungssteuerung führt zudem zu einem minimalen Nachführen künstlicher Beleuchtung in Form von LED-Leuchten und energieeffizienten konventionellen Leuchtsystemen. Das Lüftungskonzept ist hybrid und sieht neben der hauptsächlich natürlichen Lüftung eine maschinelle Regelung nur dann vor, wenn es energetisch sinnvoll ist oder es Nutzungs- und Witterungsbedingungen erforderlich machen. Über natürliche Nachtlüftung soll einer sommerlichen Überhitzung begegnet werden. Architektonischer Entwurf und technische Gebäudeausrüstung wurden parallel entwickelt, sodass ein hoher Integrationsgrad beider erreicht werden konnte. Die Nutzung natürlicher Ressourcen und passiver Maßnahmen stand im Vordergrund, um aktive technische Komponenten im Sinne eines Lean-Building-Konzeptes (Schlanke Gebäudetechnik) zu minimieren. Dadurch werden die Lebenszykluskosten der technischen Anlagen und der Energiebedarf des Gebäudes deutlich verringert. Die Energieerzeugung wird dabei nachhaltig durch einen kombinierten Einsatz von Biomasse und Solarenergie erzeugt, um CO2-Neutralität und die Zielstellung des Plus-Energie-Konzeptes zu erreichen. Schule wird von IBUS Architekten und Ingenieuren als Lebensorts verstanden und gerade in Zeiten von Ganztagsschulen dementsprechend räumlich qualitativ adäquat ausgebildet. Schüler sowie Lehrer und sonstige Mitarbeiter sollen sich wohlfühlen und die Zeit gemeinsam in freundichen hellen Räumen verbringen können.

Grundschule
Grundschule
Grundschule
Grundschule
Grundschule
Minimum House

Minimum House

Scheidt Kasprusch Architekten, Klausdorf, 2008

Das Minimum House stellt einen Prototyp eines seriellen Ferien- und Wohnhauses da, das seit 2009 angeboten wird. Für die Serienversion sollen unterschiedliche thermische und technische Varianten zur Verfügung stehen. Bereits der Low- Tech-Standard erreicht dabei Niedrigenergiehauswerte. Das Flachdach wurde extensiv begrünt und bietet einer solarthermischen Anlage Platz (ST). Die Gebäudeform ist als Quader ausgebildet, im Süden besteht die Konstruktion aus einer flächenbündigen, festverglasten Pfosten-Riegel-Konstruktion, im Westen und Osten aus einer Glasfassade mit Schiebeelementen und im Norden aus einer geschlossenen hoch zellulosegedämmten zweischaligen Holzständerkonstruktion, mit auf Abstand gesetzten Thermoholzlatten verschalt. Über eine Erdwärmesonde (EWS) wird die nötige Wärmeenergie zugeführt, eine Deckenstrahlheizung sorgt für behagliche Verteilung der Wärme im gesamten Gebäude. Auch die kontrollierte Lüftung mit Wärmerückgewinnung trägt erfolgreich zum Niederigenergie-Konzept bei. Aussteifendes Element ist der zentrale Kern, der Treppe, Küchenzeile, Bad, Haustechnik und Wandschränke aufnimmt und damit die offenen Geschosse unterteilt. Der Lauf der Sonne spielt eine entscheidende Rolle bei der Organisation des Hauses, der Tagesablauf folgt wie der Biorhythmus des Menschen dem Sonnenstand, sodass man mit der Morgensonne erwacht, mit Blick zum See frühstückt und am Abend bei untergehender Sonne vor dem Kamin sitzen kann. Ursprünglichster Grundgedanke des gesamten Planungsprozesses war die Überlegung warum im Einfamilienhausbau nicht wie im Großbau mit vorgehängten, seriellen Fassadenelementen gearbeitet wird, um kostengünstig sehr hochwertig zu bauen. Da daraufhin kein Ausschlusskrieterium gefunden wurde, was dieses Vorhaben negiert hätte, beschlossen alle Beteiligten eben gerade so zu bauen. Bei der Anordnung des Gebäudes auf dem Grundstück wurden Baumfällungen konsequent vermieden, sodass der Bau sich unmittelbar in sein direktes Umfeld einfügen kann ohne dieses zu dominieren oder zu stören. Das Erdgeschoss verfügt über einen nach Osten und zum See hin orientierten Küchen- und Essbereich und einen nach Westen orientierten Wohnbereich, während das Obergeschoss sich in einen Gäste- bzw. Arbeitsraum und einen Schlafraum unterteilt. Aktive und passive Sonnenenergienutzung sind damit Grundlage des integralen Energiekonzeptes. Das Gebäude wurde gerade auch wegen des großzügig gewünschten Außenbezugs als Holzskelett aus filigranen, von der Statik vorgegebenen Holzleimbindern in einer Rasterweite von 1,2m gebaut. Geschlossene Elemente oder Glassfassadenelemente von 1,2 x 3 m beplanken dieses Grundgerüst und ermöglichen so je nach Situation und Nutzung Ein- oder Ausblicke sowie Privatsphäre oder Transparenz.

Grundschule
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minimumhouse
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Patchworkhaus

Patchworkhaus

Pfeifer Roser Kuhn Architekten, Müllheim, 2005

Günther Pfeifer schuf mit seinem „Patchworkhaus“ in Müllheim, das 2005 fertiggestellt wurde, eine ganze besondere Synthese aus Öffentlichkeit und Privatheit, indem er die zwei Parteien, die Bewohner des Hauses, nicht nebeneinander her sondern miteinander leben lässt. Dies ist möglich durch eine zentrale Halle an der sich die Wohnstruktur dreht und so beiden Parteien auch die gleiche Ausbeute der Besonnungsrichtunngen ermöglicht. Während die Giebelwände aus einschaligem Mauerwerk bestehen, wurden die Traufwände und Dachflächen aus Massivholz in Brettstapelbauweise gefertigt und bilden einen Luftkollektor mit außenliegenden, transparenten Polycarbonplatten aus. Die Bildung einer kontrollierten Luftschicht ist die Folge, sodass auf diese Weise – gemeinsam mit der Speichermasse der Holzwände - die Grundversorgung des Hauses mit passiver solarer Energie sichergestellt werden kann. Die Halle im Innenraum dient in diesem Konzept als „Energiegarten“, manuell steuerbare Öffnungen im Dach runden es ab. Über einen zweiten Kaminzug wird die über den Kollektor gesammelte Wärme zur weiteren Verteilung in die Halle befördert. Die Betondecken wurden zudem mit einer Bauteilaktivierung versehen, um zusätzliche Speichermasse zu generieren. Die einfache Baukörpergeometrie aus einfachen Grundformen mit Satteldach bildet den Urtypus eines Hauses ab und orientiert sich damit auch an der klassischen Bautradition vor Ort. Der „Energiegarten“, die lichtdurchflutete Halle in der MItte des Gebäudes, stellt gemeinschaftlich genutzten Raum dar. Hierbei erfüllt er zweierlei Funktion: zum einen als Interaktionsraum, in dem sich die Parteien begegnen und austauschen können, zum anderen als energetisch wirksamer Zwischenraum. Gerade erstere Funktion wird im Wandel der Gesellschaft und Persönlichkeitsstrukturen der Menschen und der damit verbundenen wechselnden Wohnsituationen immer aktueller und wichtiger. Für Günter Pfeifer hat sich bei diesem Projekt in ganz besonderer Weise die Frage nach der Rolle des Ortes gestellt, in den sich der Bau einfügen soll. Hierbei hat vor allem das Klima eine große Bedeutung, das Elemente wie „Konstruktion, Material und Funktion“ prägt. Diese Art zu planen und zu Bauen ist jedoch längst nicht mehr gängiger Standard, vielmehr geht zunehmend architektonische Identität verloren, indem weltweit immer mehr angeglichene, globalisierte Stile zum Einsatz kommen. Pfeifer kehrt mit seinem Patchworkhaus zurück zu überzeugender autochthoner Architektur.

patchworkhaus
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Wirtschaftspark Breitensee

Wirtschaftspark Breitensee

HOLODECK architects Breitensee (AUT), 2007

Der Low-Tech-Gedanke wird dabei durch hochwertige Systemkomponenten und langlebige Materialien verfolgt, Reduktion auf das baulich Notwendigste, Vermeidung von Verkleidungen. Adaptierbarkeit und Flexibilität im Flächenmanagement zeichnen das Gebäude zudem aus. Dafür wurde eine Leichtbaufassade konzipiert, die sich zum etwa 70m langen Wohnbau hin gleichmäßig und kleingliedrig, zum Gewerbehof hin allerdings mit einem Wechsel der Fassadenrhythmik hin zum Heterogenen als direkte Reaktion zeigt. Die Grundrissgestaltung fokussierte vor allem die Ziele: viel Raum und viel Licht. Durch das loftartige Konzept mit bis zu vier Meter hohen Räumen, wurden in sich abgeschlossene Büro- und Arbeitseinheiten geschaffen, die für die Produktion und Dienstleistung genutzt werden können und in gänzlich unterschiedlichen Größen zur Verfügung stehen. Ein „freundliches Arbeitsklima mit Fabrikcharakter“ ist so entstanden, und generiert ein inspirierendes Ambiente mit hochwertigster technischer Ausstattung, einem innovativen Lichtkonzept sowie bestem Schallschutz beispielsweise in Form von schallisolierten Besprechungsboxen. Ein harmonisches Zusammenspiel von transluzenten, transparenten und opaken Fassadenelementen, sowie ein außenliegendes, manuell verschiebbares Sonnenschutzmetallgewebe, ermöglicht eine angenehme Belichtung bei gleichzeitiger Reduzierung der Sonneneinstrahlung. Aufgrund der Vermeidung von abgehängten Decken oder Doppelböden kann die Gebäudestruktur als Speichermasse genutzt werden und sichert somit ein angenehmes Raumklima und geringe Betriebskosten. Um den Zusammenhang zu den historischen Produktionsstätten zu betonen, folgt die Wahl der Materialien sowie deren Verarbeitung dem handwerklichen Zugang wie die bewusste Wahl sichtbarer Schraubverbindungen. Ganz in diesem Sinne wurden auch die Büros und sonstigen Arbeitsstätten als Neuinterpretationen der traditionellen „Produktionslofts“ geplant und so z.B. die Leitungsführung der Gebäudetechnik sichtbar belassen. Im Gebäudekern befindet sich ein glasüberdachtes Atrium, das vom ersten bis ins dritte Geschoss reicht. Dieses wird als Kommunikationszentrum und Veranstaltungsraum genutzt, in dem bis zu 100 Menschen Platz finden.

„Der Wirtschaftspark Breitensee ist ein gelungenes Beispiel für urbane Nachverdichtung. Durch die schonende Revitalisierung des alten Gewerbehofes in Verbindung mit dem Neubaukomplex werden insgesamt rund 25.000 Quadratmeter Fläche für bestehende und zukünftige Nutzer zur Verfügung stehen“, erklärte Wien Holding Geschäftsführerin Dipl.-Ing. Sigrid Oblak.

breitensee
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energie.spar.haus

energie.spar.haus

oberprillerarchitekten, Frauenau, 2008

Bis 2008 entstand in Frauenau ein Haus, das sich in besonderem Maße die solare Sonneneinstrahlung zu Nutze macht. Durch die Ausformung des Baukörpers sowie die innere Organisation werden hier maximale Gewinne erzielt. „Mir geht es darum, die Prinzipien und Strukturen des traditionellen Bauens aufzugreifen und mit heutigen Mitteln neu zu interpretieren“, erläutert Architekt Oberpriller, der sich als langjähriger Mitarbeiter am Lehrstuhl für ländliches Bauen der Technischen Universität München lange mit dem Thema beschäftigt hat. „Ländliches Bauen bedeutet vor allem: keine messerscharfe Trennlinie zwischen öffentlichem und privatem Raum, sondern eine fein abgestufte Zonierung, weiche Übergänge zwischen innen und außen, auch zwischen Arbeiten und Wohnen.“

20m2 Kollektorfläche, die so vor die Fassade positioniert wurden, dass sie im Sommer gleichzeitig als Verschattungselemente fungieren, und die Betonteilaktivierung der 20cm dicken betonierten Bodenplatte ohne Belag mit darunter liegender 20cm dicken Hartschaumdämmung tragen dazu bei, sodass der solare Deckungsgrad bei gut 90% liegt. Unterstützt wird dies durch die optimale Dämmung mit 28cm dicker Mineralfaserdämmung in Außenwänden und Dachflächen und die passiven Energieeinträge durch die großen Fensterflächen der Südfassade. Ein Pufferspeicher (WW) ist vorhanden und nimmt das erwärmte Wasser für die Beheizung der Bodenplatte, der Heizkörper sowie warmes Brauchwasser auf. Für längere Phasen ohne Sonne gibt es einen Biomasse-Heizkessel, der bisher durch die zwei Bewohner jedoch nur sporadisch genutzt wurde und der pro Jahr nur etwa 1m3 Holz benötigt. Kostspielige Erschließungen wurden bei der Organisation der Innenräume reduziert, durch die Zonierung entstand ein großzügiger „Wintergartenwohnbereich“ im Süden, der passiv erwärmt wird und Wohnqualität schafft, da ganzjährig eine lichtdurchflutete, sommergleiche Atmosphäre generiert wird. Primäre Konstruktion ist ein Holzrahmenbau, wie er im ländlichen Bauen häufig zum Einsatz kommt, die transluzente Fassade aus Plexiglas-Wellplatten nimmt die örtliche Glastradition auf und kann als optimales Beispiel dafür dienen, die Aspekte Nullenergie, Wohnqualität und Kostenersparnis zusammenzuführen. Auch Strom kann in Zukunft solar erzeugt werden. Für Photovoltaikelemente ist auf dem Dach ausreichend Platz, noch wurde dieser weitere Weg allerdings nicht beschritten. Statt aufwendiger Installationszonen sind Heizung, Wasser und Strom zentral in Schrankzonen durch nichttragende Wände integriert, die zudem großzügigen Stauraum schaffen. Die Atmosphäre im Inneren ist durch die Oberflächen gewachster OSB-Platten bestimmt, die durch weiß lackierte Einbauelemente aus Holz und Plexiglas-Stegplatten ergänzt sind. Die Mutter des Bauherren sollte hier barrierefrei wohnen können, statt wie bisher im alten Haus im rückwärtigen Bereich des Grundstückes durch Schwellen, Stufen und steile Treppen eingeschränkt zu sein. Der Sohn, eigentlich Lehrer, wollte sich mehr dem Schreiben widmen und suchte dafür für sich eine inspirierende Atmosphäre, sodass nicht nur ein kleines Häuschen für die Mutter entstand, sondern schließlich ein gemeinsam neues Wohnhaus für beide Generationen.

energiesparhaus
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Kita Wildblume

Kita Wildblume

Institut für Gebäude + Energie + Licht Planung Wismar, Garz, im Bau

In Garz auf Rügen wird derzeit die Kita Wildblume gebaut, geplant unter Mitwirken von Studenten der HS Wismar unter der Leitung von Prof. Martin Wollensak. Mit dem „Dreifach-Null“-Ansatz weder in die Luft noch in den Boden Schadstoffe abzugeben, keine fossilen Energien und Ressourcen zu verbrauchen und zudem beim Rückbau keine Abfälle und Sondermüll zu hinterlassen, entsteht der Bau, der bis Mitte August 2014 mitsamt der Außenanlagen fertiggestellt werden soll. Vom Deutschen Roten Kreuz wird das Projekt getragen und mit 330.000 Euro von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) gefördert sowie durch diese und die HS Wismar wissenschaftlich begleitet. Mit weiteren 400.000 Euro unterstützt das ELER-Förderprogramm der EU das Vorhaben, 220.000 Euro kommen aus dem Investitionsprogramm zum bedarfsgerechten Ausbau der Kindertagesförderung. Die primäre Tragstruktur des Gebäudes besteht aus einer Holzkonstruktion, die mit Lehmsteinen ausgefacht und dann mit einem mehrschichtigen Lehmputz versehen wurde. Bis zu 69cm Wandstärke entstehen so. Regional verfügbare, recyclingfähige Materialien wurden verwendet, die Warmwasserversorgung wird durch solarthermische Flachkollektoren (ST) auf dem Dach sichergestellt. Außerdem gibt es eine Luft-Wärmepumpe (WP), gekoppelt mit einem Erdwärmespeicher (EWT). Und eine kontrollierte Be- und Entlüftung im zentralen Klimahof, der von einem Folienkissendach überspannt ist. Die Verbindung der drei Energiequellen Erdwärme, Solarthermie und Wärmerückgewinnung in einem gemeinsamen Schichtenspeicher ist eine Innovation auf diesem Gebiet, der angestrebte Heizenergiebedarf liegt bei 26,4 kWh/m2a. Zur Steigerung der Behaglichkeit werden Speichermassen effektiv genutzt - temperatur- sowie raumfeuchteregulierend. Der Standort ist geprägt durch Mischbebauung, weshalb man die Idee eines introvertierten, kompakten Baus fokussierte, der sich als eigener Solitär dennoch in die Umgebung mit seinen Sonderformen integriert. 12 Krippen- und 54 Kindergartenplätze entstehen so, um einen zentralen Innenhof gruppiert, wodurch das Risiko akustischer Störungen aus der Umgebung eingedämmt und zudem das A-V-Verhältnis optimiert wird. Durch sein futuristisch anmutendes Äußeres wurde die Kita Wildblume bereits als „Allianz-Arena im Miniaturformat“ bezzeichnet. Die ovale Kubatur mit den bullaugenähnlichen Fenstern und der konvexen Krümmung ist eine absolute Neuheit auf dem Gebiet umweltneutraler und ökologischer Bauten. Während der Bauphase kommen immer wieder Kinder der Kindertagesstätte zum Schauplatz, um die Entwicklung des Baus mit Spannung zu verfolgen, bis sie dann bald in ihr neues Gebäude umziehen können. Der zentrale Innenhof ist mit Folienkissen bedacht und wirkt wie ein Pufferspeicher, der die Wärmeüberschüsse des Tages sammelt und diese nachts an die angrenzenden Räume abgibt. So entsteht eine Zwischenklimazone, die die Temperaturdifferenzen zwischen Innen- und Außenraum minimiert und zudem passiv solare Energie gewinnt. Eine Fotovoltaik Anlage mit einem Jahresertrag 7.500 kWh/a ist auf dem Dach installiert und produziert den Hauptteil des notwendigen Stromes. Die restliche Energie wird durch einen Eco-Strom Anbieter nachgeliefert.

Motto der Kita:
„Es bedarf keiner materiellen Dinge, um glücklich zu sein. Öffne diese Tür, lehne dich zurück und genieße zusammen mit uns ein Stück Natur! Mit unserem Konzept wollen wir uns verstärkt der Lebensquelle Natur zuwenden. Bei uns können die Kinder Tiere in ihrem natürlichen Umfeld erleben, berühren, spüren, streicheln, riechen, hören und sehen. Wir geben den Kindern die Möglichkeit, Pflanzen zu säen, zu pflegen und zu verarbeiten. Die Beschäftigung mit Naturmaterialien in Bau und Bastelecken sowie im Werkraum fördert die Entwicklung der Phantasie und dient der Entwicklung handwerklicher Fähigkeiten. Wir sind wieder ein „KinderGARTEN“ geworden.“

kita_windblume
kita_wildblume
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Von der Konzeptphase bis hin zur Detailoptimierung steht heute immer mehr eine nachhaltige und ganzheitliche Betrachtung von Architektur im Fokus, um energie- und klimaoptimiert bauen zu können. Hochtechnisierung kann hier nicht Lösung sein, vielmehr müssen die vielen teilweise verloren gegangenen passiven Kräfte mobilisiert und auf aktive Maßnahmen abgestimmt werden. Das Maximum an Behaglichkeit mit einem Minimum an Energie erreichen - ClimaDesign